Unter den Minderheiten, die in Burma verfolgt werden, gibt es einige, die dem islamischen Glauben angehören. Auch in Thailand selbst leben viele Muslime, hauptsächlich im Süden. In Mae Sot hat sich ebenfalls ein kleines muslimisches Viertel gebildet. Dort befindet sich der Lucky Tea Garden, wo ich heute morgen gefrühstückt habe. Man lasse sich nicht von dem Namen täuschen: die Lokalität erfüllt keine der Assoziationen, die der Name weckt. Zunächst einmal befindet sie sich an einer der größeren Straßen und nur ein paar Meter entfernt vom belebten day market. Und die Bauweise im Stadtzentrum sieht grundsätzlich folgendermaßen aus: es sind lange Gebäudezeilen, mehrstöckig aus Beton mit quasi überdimensionierten Garagen als Erdgeschoß, eine neben der anderen. Diese "Garagen" dienen als Verkaufsraum, manchmal als Wohnraum oder eben als Restaurant. Die Wände sind meistens kahl, wobei abends die vielen Geckos interessante, weil dynamische, Muster fabrizieren. Das Mobiliar ist aus Plastik. Bedient wird man oft von Kindern im Alter zwischen 10 und 14 Jahren. Im Lucky Tea Garden sind es zwei nette Jungens, die das offensichtlich schon länger machen. Habe sie gefragt, ob sie die Say Ta Nar School kennen. Haben mich aber nicht verstanden. Ich hätte mir vorstellen können, daß sie da zur Schule gehen, falls sie denn zur Schule gehen, weil sie in der Nähe ist und unter meinen Computerkurs-Schülern auch viele muslimisch waren.
Mein Frühstück bestand aus burmesischem Tee, Samosas und frittierten Teigfladen. Der Tee ist eine Art Schwarztee, schmeckt aber anders, bißchen komisch, ist stark gesüßt und mit vieeeel von etwas ähnlichem wie Kondensmilch versetzt. Sie liegt als dicke Schicht auf dem Boden des Glases, wenn man es serviert bekommt. Man muß dann eine Weile kräftig rühren, bis sie sich verteilt hat. Die Samosas sind ganz ok, schmecken gut. Die frittierten Teigfladen schließlich werden in kleine Stückchen gerissen und ordentlich mit dieser Pseudo-Kondensmilch übergossen. Erst dann wird das ganze serviert. Als Fazit fällt mir dazu ein Ausspruch von Claire, der französischen Englischlehrerin ein: in Frankreich sei Cola fast das süßeste, was man so bekommen kann, in Thailand ist es eins der am wenigsten gesüßten Dinge :-)
Auf dem Heimweg habe ich noch die "burmese alley" gesucht und gefunden. Das ist eine etwas versteckte Gasse im hinteren Bereich einer großen Halle des day market. Mit den entsprechenden Kontakten ausgestattet könne man da allerlei zwielichtige Gestalten treffen hatte ich gehört. Es handelt sich um eine lange Reihe von kleineren Teeläden, "Cafes", die Musik ist überall ordentlich aufgedreht und wechselt beim Vorbeilaufen alle paar Meter, von thailändischem Synthie-Pop zu Hardrock, dann zu Techno und wieder zurück. Insgesamt ist es eher unspektakulär, wenn man wie ich die angesprochenen Kontakte (noch) nicht hat, wobei ich mich schon etwas unwohl gefühlt habe. Es herrscht praktisch kein Durchgangsverkehr und ab und zu erntet man den einen oder anderen mißtrauischen Blick. Ich lächelte immer brav und spazierte mit unschuldigem Blick weiter.
Gerade haben wir die Planung für den April abgeschlossen. Agnese, die Lehrerin aus Italien ist eingetroffen und wird die nächsten drei Wochen an einer Schule am Stadtrand Englisch unterrichten. Ich werde stundenweise Gruppen von 7-8 Schülern herausziehen und mich mit ihnen in ein Internet-Cafe auf der anderen Straßenseite zurückziehen und ein bißchen zocken :-) Nein, leider nicht, ich soll ihnen zeigen, wie sie CDs, MP3-Player und PCs sowie Internet zum Englisch-Selbststudium nutzen können. Die Schüler sind in den Klassenstufen 8 bis 11 und haben an dieser Schule regulären EDV-Unterricht. Da erwarte ich wenig Schwierigkeiten. Das größere Problem werden die Lehrer sein, weil die teilweise noch nicht mit Computern gearbeitet haben. Agnese soll sie fit machen bzgl. Lehrmethoden und dazu sollten sie natürlich auch die diversen Medien kennen. Das kommt dann noch auf mich zu. Wegen des Songkran-Festes übernächste Woche, wodurch uns fünf Schultage ausfallen werden und wegen Agneses sehr begrenzter Zeit, werden wir auch an den nächsten beiden Wochenenden unterrichten.
Wer übrigens hier im Blog etwas kommentieren möchte, kann das inzwischen gerne auch anonym und ohne Google-Account tun :-)
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Hi Branko,
AntwortenLöschenwenn das nun also auch für die ganz Doofen, zu denen ich mich edv-technisch leider zähle, funktionieren sollte, dann will ich das doch gleich mal ausprobieren.
Deine Berichte sind klasse und ich freue mich immer riesig, von dir und deinen Abenteuern zu lesen. Obwohl ich noch nie groß Zweifel daran hatte - durch deine Schilderungen wird mir noch deutlicher, dass dieses Land nicht meines wäre.
Macht ja aber auch nix.
Werde dir demnächst mal wieder "geheim" schreiben.
Liebe Grüßle und schöne Ostern, auch wenn Du dort wohl nicht viel mitbekommen dürftest, oder?!
Sabine